Maria
Ich bin Maria aus Nazareth. Oft staune ich darüber, was die Menschen von mir halten. Für manche bin ich eine große Hoffnung. Für manche bin ich ein Vorbild. Andere reduzieren mich darauf, dass ich eine Mutter bin. Es ist nicht einfach, mit all den Rollenbildern und Hoffnungen umzugehen. Manchmal erdrückt es mich. Manchmal quälen mich viele Fragen. Ich kenne auch Ängste und Zweifel.
Ich bin eine junge Mutter. Ich kenne aber auch das Gefühl, heimatlos und obdachlos zu sein. Ich kenne auch die Zweifel, ob wirklich noch Menschen an meiner Seite stehen. Oder ob ich nicht von allen verlassen bin. Und doch weiß ich, dass Gott auf mich geschaut hat, ja mehr noch: Er hat mich erwählt! Darauf darf ich bauen, darauf vertrauen. Es macht mich stark.
Und zugleich sehe ich die Grenzen dieser Welt. Ich sehe die Mächtigen auf ihren Thronen. Ich sehe Ausbeutung und Missachtung der Kleinsten und Niedrigsten. Ich sehe meine eigenen Grenzen und frage mich, welche Zukunft werde ich haben. Welche Zukunft hat mein Kind? Welche Zukunft haben die, die mit mir auf dem Weg sind?
Ja, ich sehe Grenzen. Aber ich sehe immer auch die grenzenlose Liebe meines Gottes. Ich sehe, dass er die Kleinen groß macht und die Mächtigen von ihren Thronen stößt. Wenn ich vertrauen kann, kann Großes geschehen. Wenn wir vertrauen können, können Wunder geschehen.
Ich bin vielleicht noch sehr jung und vielleicht gibt es da Leute, die sich über mein Selbstbewusstsein wundern. Aber Gott hat auf mich geschaut. Er schaut auf Menschen wie mich. Auf Frauen wie mich. Und da wächst sie, die Hoffnung. Und sie wird eine große Hoffnung.