Hirte

Ich bin ein Hirte. Nicht wenige haben so einen wie mich noch nie gesehen. Und dann fragen sie sich natürlich: Was ist das für einer? Was tut er? Was treibt ihn an? Wen treibt er an? Viele Menschen übersehen auch, dass es mich gibt. Was ich mache, ist nicht spektakulär. Mir folgen eigentlich nicht die Menschenmassen. Mir folgen eigentlich nur meine Tiere. Und für mich ist das, was ich mache, die schönste Aufgabe. Ich liebe das.

Ich liebe es, draußen zu sein. In der Natur. Da, wo ich anschauen und staunen kann, was Gott erschaffen hat. Ich liebe das raue Leben, kalte Nächte an einem warmen Feuer. Ich liebe den Blick in den Himmel und auf die Sterne. Ich mag schönes Wetter und ich fürchte mich auch nicht vor Unwetter. Ich habe nichts als meinen Stab bei mir. An ihm halte ich mich fest. Mit dem Stab kann ich meine Aufgabe erfüllen. Gewissenhaft.

Ich werde tatsächlich oft übersehen. Und manchmal bin ich dann nachdenklich. Bin ich etwa unwichtig. Bin ich ein Außenseiter? Etwas komisch, etwas fremd? Ein Freak, der mit seinen Tieren spricht und vom wahren, echten Leben nichts versteht? Aber was ist das schon, das wahre, echte Leben.

Ich bin fürsorglich, ich kümmere mich. Und ich übernehme Verantwortung. Ich sehe das, was andere nicht sehen. Ich bin offen für Veränderung. Ich bin offen dafür, Teil von etwas Großem zu werden. Dabei stelle ich mich in den Dienst und ich führe meine Herde sicher durch alle Unsicherheiten.

Denn ich bin voller Hoffnung, weil ich tief berührt wurde. Ich habe gesehen, dass Gott in dieser Welt lebt. Ich habe das Wunder des Lebens gesehen. In einer Krippe. Ich kann nicht anders als von dieser Hoffnung und dieser Größe zu erzählen. Weil ich das Kind in der Krippe gesehen habe, möchte ich immer wieder neu aufbrechen. Das liebe ich am meisten.