Esel

So viele Menschen bewerten mich nach meinem Äußeren. Weil ich eben grau bin und man mir nachsagt, ich sei stur. Ich bin kein Pferd und kein Zebra. Über mich wird nicht so gestaunt. Ich werde sogar manchmal verlacht. Das macht mich schon mal traurig. Ich bin ein Esel und wichtig. Was manche für Sturheit halten, ist vielleicht auch Besonnenheit. Ich denke nach und nehme wahr.

Ja, einer trage des anderen Last, das erfüllt mich! Das treibt mich an. Vielleicht braucht es sogar viel mehr solche wie mich. Die eher unscheinbar auftreten. Gut zuhören. Treu sind. Und sich eben nicht scheuen, die Lasten anderer ein Stück zu tragen.

Vor allem aber braucht es wohl weniger Vorurteile. Nicht über die zu lachen, die ein wenig anders sind, anders aussehen.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Im Gegenteil: Ich möchte Hoffnung tragen. Das erfüllt mich mehr als alles andere. Ich weiß nämlich: Alle Geschöpfe haben ihre Hoffnung nicht ohne Grund. Es ist schön, wenn man Hoffnung hat. Und sie teilt. Ich teile meine Hoffnung. Mit allen Eseln dieser Welt. Mit allen, die ausgelacht werden. Mit allen, die Lasten tragen. Mit allen Menschen.